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Interview Series: Feminist Perspectives on Motherhood, Part 1/ Interview-Reihe: Feministische Perspektiven auf Mutterschaft, Teil 1

AC609195-00DB-4E86-8AFB-1F76D003B18EFeminist Perspectives on Motherhood: JULI

1. What does being a mother and a feminist mean to you? 

To me, being a mother and a feminist means teaching my daugther and exemplifying to her through my own life that all people are equal and have the same rights. Sometimes that already means supporting her if she is being disadvantaged compared to male children. I also want to protect her from role expectations she is confronted with or prepare her so that she can choose herself which roles to take on and which to reject.

Further, from a feminist perspective, I also find it important not to sacrifice my own dreams and goals entirely to motherhood. Of course, life changes with a child, but why should I, as a woman, no longer have the right to my own projects? Nobody asks that from a man. Especially other mothers criticize me for that. But I want to stand by my choice of having a child whilst also having a life of my own, thereby setting a positive example.

 

2. How did you experience pregnancy from a feminist perspective?

Personally, pregnancy meant rediscovering my body. I have been much happier with my body since and although trifles might still annoy me, they are not that important anymore because I know what wonderful things my body accomplished. After an initial period of postpartum insecurity, I feel stronger since pregnancy, in my self-image and in my sexuality. Experiencing the development of a new life in one’s body and going through all these changes has reconciled me to my body. Theoretically, it has always been clear to me that I want to accept my body the way it is. Practically, this has only been possible to me since my pregnancy.

Socially, pregnancy and breastfeeding almost meant the complete opposite: a loss of the rights to my body. It extended from “well-intentioned” advice, telling me what I am not allowed to do now, to yet another person touching my belly without asking me whether that was okay. As soon as I fell pregnant, others knew better than me what was good for me.

I already look at the second pregnancy in a different way. Of course I do still have, even if they might be different, fears and worries, if only because of all the hormones. Overall, however, I am calmer. I know that I can do it, I know that my body does it. The “advice” does not hit me like that anymore, I’m more independent and self-confident.

 

3. Do you want to raise your children feminist and if so, how?

Yes, definitely. Above all, I find it very important not to force my daughter into any ready-made expectations. She does not have to fulfill or overcompensate the typical image of women. I want her to be able to develop freely and to allow this to other people as well.

Hence, I have to give her a certain strength or stubbornness. Unfortunately, standing for feminist values ​​today still means being in the minority. But I hope I can show her how to represent these values ​​convincingly and not forcefully.

 

4. In recent years there have been vivid discussions about regretting motherhood. Which obstacles do you encounter as a mother?

Motherhood has mostly changed how people perceive me. In situations where, previously, I had been taken seriously, my projects are being belittled. I am frequently being categorized as a “mom”. Most of the time, however, I fortunately have the opportunity to prove my skills or knowledge anyway.

Since the birth of my daughter, time has become a very important asset. I can no longer decide freely when to do things, but I am bound to those times when my little one does not need me. But that also bears the advantage of letting me be more concentrated at work.

Although sometimes there are days when I wish to reclaim my old life and old self, I never regret motherhood. It’s a damn hard job I picked. And not everything works as I imagined before. But it’s also incredibly beautiful. And I am confident that together, we can turn this into a job that is shared between parents and receives social recognition.

 

5. What helps you deal with these obstacles?

I’ve become more currish. I am more determined when pursuing my personal goals. Additionally, I am more likely to accept help, especially when it comes to being overwhelmed with work at home. I used to cope with everything on my own. Today, I find it easier for me to reach out and ask for support. Having my husband, family or friends gives me the good feeling that some hurdles seem smaller.

At the same time, every day, I realise how lucky I am. My husband supports me in everything I want to achieve, my daughter is healthy, our common income is largely sufficient. Knowing that other women have to struggle daily with things I encounter only marginally and that motherhood can mean quite different cuts in CVs brings me down to earth considering my problems. I am extremely lucky and I know that. And that’s why I want to give my daughter feminism on her journey.

 


Feministische Perspektiven auf Mutterschaft: JULI

1. Was bedeutet es für dich, Mutter und Feministin zu sein? 

Mutter und Feministin zu sein bedeutet für mich, meiner Tochter beizubringen und vorzuleben, das alle Menschen gleich sind und die gleichen Rechte haben. Das bedeutet manchmal auch jetzt schon, sie zu unterstützen, wenn sie gegenüber männlichen Kindern benachteiligt wird. Ich will sie auch vor Rollenerwartungen schützen, die an sie gerichtet werden, beziehungsweise sie darauf vorbereiten, dass sie selber wählen kann, welche Rollen sie einnimmt und welche ablehnt.
Desweiteren finde ich es aus feministischer Perspektive auch wichtig, meine eigenen Träume und Ziele nicht komplett der Mutterschaft zu opfern. Natürlich ändert sich das Leben durch ein Kind, aber warum sollte ich als Frau deshalb kein Recht auf eigene Projekte mehr haben? Niemand verlangt das von einem Mann. Vor allem von anderen Müttern werde ich dafür kritisch beäugt. Aber ich möchte zu meiner Wahl stehen, ein Kind und dabei ein eigenes Leben zu haben und als positives Beispiel vorangehen.

 

2. Wie hast du die Schwangerschaft aus feministischer Perspektive erlebt?

Für mich persönlich war die Schwangerschaft ein Neuentdecken meines Körpers. Ich bin seitdem sehr viel zufriedener mit ihm und auch wenn mich Kleinigkeiten vielleicht nerven, dann ist das alles nicht mehr so wichtig, weil ich weiß, was er Wunderbares geleistet hat. Nach einer anfänglichen Phase der Unsicherheit nach der Geburt, fühle ich mich seit der Schwangerschaft gestärkter, in meinem Selbstbild und in meiner Sexualität. Die Entwicklung eines neuen Lebens im eigenen Körper mitzuerleben, all diese Veränderungen durchzumachen, hat mich mit meinem Körper versöhnt. Theoretisch war mir immer klar, dass ich meinem Körper akzeptieren möchte, so wie er ist. Praktisch schaffe ich das erst seit der Schwangerschaft.
Gesellschaftlich bedeutete die Schwangerschaft und Stillzeit eher das komplette Gegenteil, nämlich einen Verlust der Rechte an meinem Körper. Von “gut gemeinten” Ratschlägen, was ich denn jetzt nicht mehr dürfe, bis zu dem ein oder anderen ungefragten Bauchstreichler war schon die ganze Bandbreite dabei. Sobald ich schwanger war wussten andere besser als ich, was gut für mich ist.
Die zweite Schwangerschaft nehme ich schon anders wahr. Ich habe natürlich auch, wenn aber andere, Ängste und Sorgen, allein schon wegen der ganzen Hormone. Insgesamt bin ich aber ruhiger. Ich weiß, dass ich das schaffe, ich weiß, dass mein Körper das schafft. Die “Ratschläge” treffen mich nicht mehr so, ich bin eigenständiger und selbstbewusster.

 

3. Willst du deine Kinder feministisch erziehen und wenn ja, wie?

Ja, auf jeden Fall. Vor allem finde ich ganz wichtig, meine Tochter in keine vorgefertigten Erwartungen reinzuzwängen. Sie muss weder das typische Frauenbild erfüllen, noch überkompensieren. Ich möchte, dass sie sich frei entfalten kann und dies auch anderen Menschen zugestehen kann und wertschätzen.

Somit muss ich ihr auch eine gewisse Stärke, beziehungsweise Dickköpfigkeit anerziehen. Für feministische Werte zu stehen heißt heute ja leider immernoch, in der Minderheit zu sein. Aber ich hoffe, ich kann ihr vorleben, wie man diese Werte überzeugend und nicht erzwingend vertritt.

 

4. In den letzten Jahren wurde viel über regretting motherhood diskutiert. Welchen Hürden begegnest du als Mutter?

Die Mutterschaft hat für mich vor allem verändert, wie die Leute mich wahrnehmen. Ich werde häufiger in meinen Vorhaben belächelt, in Situationen, in denen man mich vorher ernst genommen hätte. Ein Abstempeln als “Mama” ist da nicht selten der Fall. Meistens habe ich aber zum Glück die Möglichkeit, mein Können oder Wissen trotzdem unter Beweis zu stellen.

Seit der Geburt meiner Tochter ist daneben Zeit ein sehr wichtiges Gut geworden. Ich kann nicht mehr frei entscheiden, wann ich Dinge erledige, sondern bin daran gebunden, wann der kleine Mensch mich gerade nicht braucht. Das hat aber auch den Vorteil, dass man dann konzentrierter arbeitet.

Auch wenn es manchmal Tage gibt, an denen ich mir mein altes Leben und mein altes Ich zurückwünsche, bereue ich die Mutterschaft nie. Es ist ein verdammt harter Job, den ich mir da ausgesucht habe. Und nicht alles läuft so, wie ich mir das vorher vorgestellt habe. Aber es ist auch ein unglaublich Schöner. Und ich bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam hinkriegen, dass es ein Job wird, der zwischen den Eltern geteilt und auch gesellschaftlich anerkannt wird.

 

5. Was hilft dir dabei, mit diesen Hürden umzugehen?

Ich bin bissiger geworden. Meine persönlichen Ziele verfolge ich stärker. Außerdem lasse ich mir eher helfen, gerade wenn es um Überforderung zuhause geht. Früher habe ich alles alleine mit mir ausgemacht. Heute fällt es mir leichter auch mal zu sagen, dass es zu viel ist und ich Unterstützung brauche. Dass ich sie dann auch bekomme, von meinem Mann, der Familie oder FreundInnen, ist ein gutes Gefühl, dass so manche Hürde kleiner erscheinen lässt.

Gleichzeitig freue ich mich jeden Tag, wie gut ich es habe. Mein Mann unterstützt mich in meinen Vorhaben, meine Tochter ist gesund, unser gemeinsames Einkommen reicht locker zum Leben. Der Gedanke daran, dass andere Frauen die Kämpfe, mit denen ich vielleicht marginal zu tun habe, jeden Tag ausstehen müssen und dass Mutterschaft ganz andere Einschnitte in Lebensläufe bedeuten kann, bringt mich bei Problemen wieder auf den Boden der Tatsachen. Ich habe es sehr gut und weiß das. Und gerade deshalb möchte ich meiner Tochter den Feminismus mit auf ihren Lebensweg geben.

 

Ich, Juli, bin 27, meine Tochter ist 21 Monate alt, und das nächste Baby ist schon unterwegs. Momentan promoviere ich in englischer Kulturwissenschaft, und habe ein Stipendium. Mein Mann arbeitet in Teilzeit, damit wir uns Kinderbetreuung und Haushalt teilen können, das klappt aber, trotz unserer ähnlichen Einkommen, in der Realität nicht ganz 50/50. Nebenher wollen wir mit einem Team von ungefähr zehn Leuten einen genossenschaftlichen Unverpacktladen in unserer Stadt eröffnen. Ich glaube, dass ich den Spagat zwischen Mutterschaft und Arbeit gut hinkriege.

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