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Interview-Reihe: Feministische Perspektiven auf Mutterschaft, Teil 5/Interview Series: Feminist Perspectives on Motherhood, Part 5

AC609195-00DB-4E86-8AFB-1F76D003B18EFeministische Perspektiven auf Mutterschaft: STEFFI

  1. Was bedeutet es für dich, Mutter und Feministin zu sein? 

Eine feministische Mutter zu sein bedeutet für mich dass ich selbst entscheide, wann ich (nach einer Geburt) wieder arbeiten gehe, ich mich bewusst für die Karriere Frau mit Kind und gegen das “Hausmütterchen” entschieden habe, weil das einfach nicht meiner Einstellung entspricht. Ich möchte unabhängig und frei alleine für mich und mein Kind sorgen können und nicht abhängig sein, weder vom Staat noch von sonst irgendjemandem.

Es bedeutet auch für mich, jegliche Form zu unterstützen, ich verurteile keine Frau, die glücklich als Hausfrau ist, noch eine, die vom Staat lebt oder anderweitig  Unterstützung bekommt. Eine feministische Mutter zu sein bedeutet für mich, nicht in den Ring zu steigen um mich an anderen Müttern zu messen, sondern Hand in Handmit anderen Müttern zu gehen und diese zu unterstützen, da jede Mutter ein kleines Wunder vollbracht hat und geehrt und geschätzt werden sollte.

 

2. Wie hast du die Schwangerschaft aus feministischer Perspektive erlebt?

Meine Schwangerschaft habe ich als wunderschön erlebt, ein ganz toller Einblick in meinen Körper und wie er auf die Veränderung und die Umstellung reagiert.

Weniger Applaus habe ich für die bewusste Entscheidung gegen eine natürlich Geburt und für meinen Körper erhalten. Ich habe persönlich für mich entschieden, nicht mehr Schmerzen ertragen zu müssen als nötig. Mir war bewusst, dass ich den natürlichen Weg nicht gehen will, weil ich mich dafür nicht im Stande sah. Da ich über meinen Körper selbst entscheide, bin ich bewusst diesen Weg gegangen, um meinem Kind nicht mehr Stress zuzumuten als nötig.

Außerdem distanziere ich mich von der Auffassung der Gesellschaft und zum Teil auch anderer Mütter, dass nur wer natürlich entbindet, auch eine “echte” Mutter ist – ich brauche diesen “Orden” nicht – ich muss mir das Mutter-Sein nicht “erarbeiten” und muss es mir nicht verdienen. Nicht die Geburt allein macht dich zur Mutter, genau so wenig wie dich die Zeugung allein zum Vater macht.

 

3. Willst du deine Kinder feministisch erziehen und wenn ja, wie?

Ich möchte mein Kind feministisch erziehen, da ich eine Tochter habe,  fällt mir das auch recht leicht. In erster Linie ist es mir wichtig, das sie weiss, dass sie alles schaffen kann, was sie will. Dass sie stark und schön ist, in jeder Hinsicht und nicht mehr oder weniger wert ist als andere Menschen. Dass sie ihren Körper lieben und schätzen lernt, in dem wir bei uns zuhause ganz offen die freie Körperkultur leben, es gibt bei uns keine verschlossenen Türe und keine unangemessenen Fragen was den eigenen Körper betrifft.

Meine Tochter kann selbst entscheiden, wie sie sich kleiden will und wenn das bedeutet dass sie in “Jungssachen” raus geht, ist das so. Sie kann tun, wonach ihr der Sinn steht und es gibt hier keine Unterteilung in das “sollte” ein Mädchen, können, machen, tun und dieses und jenes nicht. Mag sie Glitzer und Pink? Toll! Spielt sie lieber GameBoy und Fussball – why not?

Ich nehme sie gerne auf Demos und feministisches Veranstaltungen mit, soweit das möglich ist, und versuche ihr dadurch meine Sicht der Dinge näher zu bringen und wofür ich einstehe.

 

4. In den letzten Jahren wurde viel über regretting motherhood diskutiert. Welchen Hürden begegnest du als Mutter?

Gerade in der Job-Weit bemerke ich immer wieder, dass Müttern gewisse Attribute zugesprochen werden, die nicht immer förderlich sind. Gerade als Führungskraft ist es nicht sonderlich hilfreich, das “Mütterchen” zu sein. Es wird Müttern viel abgesprochen, Mütter werden unterschätzt. Ich zb. kann dir den Aufbau einer ISDN Anlage erklären, oder dir einen Router konfigurieren, bin aber eine Niete im Bügeln und im Backen – so what? Ich habe schon einige Jobs nicht bekommen, weil ich Mutter bin, gerade weil mir dieses Handling nicht zugetraut wird – obwohl ich Mutter bin, Vollzeit arbeite und nebenbei Teilzeit studiere und das schon seit Jahren. Es ändert nichts an der Sicht der Gesellschaft auf Mütter, die nach wie vor für viele an den Herd gehören und nicht in den Chefsessel. Regretting motherhood ist nicht mein Thema, ich kann es aber nachvollziehen, denn Mutterschaft kann tatsächlich ausbremsen.

 

5. Was hilft dir dabei, mit diesen Hürden umzugehen?

Mein Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten und mein starker Wille der Welt zu zeigen, dass ich, egal was es ist – I can – watch me.

Ich bin Steffi, 32 Jahre, lesbisch, Feministin und Mutter. Ich lebe momentan mit meiner Tochter und meiner Partnerin in der Nähe von Bonn. Geboren und aufgewachsen bin ich in Rostock, bin also ein echter Fischkopp, aber nicht wirklich sympathisch – hanseatisch. Und es stimmt, norddeutsche sind unterkühlt und reden nicht viel, das mag ich an mir besonders. Ich leite aktuell eine kleine Naturkosmetik-Boutique und arbeite mit Frauen jeglichen Schlags zusammen – das kann manchmal ziemlich anstrengend sein, aber auch sehr aufschlussreich. In meiner Freizeit mache ich am liebsten nichts, in den Himmel schauen, lesen, Musik hören und mit meiner Partnerin und meiner kleinen
Tochter zusammen sein. Neben meinem Vollzeit-Job studiere ich in Teilzeit Wirtschaft, ich investiere gerne ich mich selbst und finde Entwicklung wirklich spannend, Wirtschaft dafür eher weniger – aber gut, nicht mehr lange bis zum Bachelor und dann ist das auch geschafft. Wenn meine Kleine die Grundschule überlebt hat, wollen meine Partnerin und ich zurück ans Meer – Lübeck ist unser Lieblingsziel momentan und wir schwelgen gerne in Tagträumen und freuen uns schon sehr, wenn es dann soweit ist.


Feminist Perspectives on Motherhood: STEFFI

1. What does being a mother and a feminist mean to you? 

To me, being a feminist mother means that I decided for myself when to go back to work (after a birth), and that I chose the “woman with child” career path and not to be the “little housekeeper”, because that simply didn’t fit my attitude. I want to be able to care for myself and my child independently and freely, and I do not want to be dependent, neither on the state nor one anyone else.

It also means supporting any choice, I do not condemn a woman who is happy as a housewife, nor one who lives by the state or receives any other kind of support. To me, being a feminist mother means not to compete with other mothers, but to go hand in hand with other mothers and support them. Each mother has performed a small miracle and should be honored and appreciated for that.

 

2.  How did you experience pregnancy from a feminist perspective?

My pregnancy was an extremely beautiful experience, giving me great insight into my body and how it reacts to change and adjustment.

My conscious decision against a natural birth and for my body was less welcomed. Personally, I decided not to have to endure more pain than necessary. I was aware that I did not want to go the natural route because I did not see fit for it. Since I decide on my own body, I made this choice consciously, not to stress my child more than necessary.

In addition, I dissociate myself from the view held by society and partially by other mothers that only the mothers who gives birth is a “real” mother – I do not need this “award” – I do not have to work to reach the status of a mother neither do I have to earn it. Birth alone does not turn you into a mother, in the same way as procreation does not turn one into a father.

 

3. Do you want to raise your children feminist and if so, how?

I want to educate my child feminist, and since I have a daughter, that has been quite easy thus far. First and foremost, it is important to me that she knows that she can do whatever she sets her mind to. I want her to know that she is strong and beautiful, in every possible way and that she is worth no more or less than other people. I want her to love and appreciate her body, and to do so we practice a very open physical environment in our home, without any closed doors or inappropriate questions related to our own bodies.

My daughter can decide for herself how she wants to dress. If that means that she is wearing “boy clothes”, that’s just the way it is. She can do what she desires and never ask what a girl “should” or can do. Does she like glitter and pink? Great! Does she prefer playing GameBoy and football – why not? I like to take her to protests and feminist events, as much as that’s a possibility, hoping that I can get her to understand my perspective on the world and what I stand for.

 

4. In recent years there have been vivid discussions about regretting motherhood. Which obstacles do you encounter as a mother?

Especially in my job, I notice time and again that mothers are given certain attributes that do not always subserve. Especially in a leading position, being the “mom” is all but helpful. Mothers are downgraded, they are underestimated. For example, I can explain the structure of an ISDN system, or configure a router, but I’m a crap at ironing and baking – so what? I have not been accepted for some jobs because I am a mother, simply because I am not expected to manage everything – even though as a mother, I have been working full-time and studying part-time for years. It does not change society’s view of mothers: they belong in the kitchen and not on the executive chair. Regretting motherhood is not my topic, but I can understand it, because motherhood can actually thwart you.

5. What helps you deal with these obstacles?

My trust in myself and my own ability and my strong determination to show the world that, whatever it may be – I can – watch me.

I’m Steffi, 32, lesbian, feminist and mother. I currently live near Boon with my daughter and my partner. I was born and grew up in Rostock, so I’m a real “Fischkopp“, but not really a likeable Hanseatic. And it’s true, German Northerners are cold people and do not talk much, that’s what I like about myself. I currently run a small natural cosmetics boutique and work with all kinds of women – this can sometimes be quite exhausting, but also very enlightening. In my free time, I prefer to do nothing, watch the sky, read, listen to music and be together with my partner and my little daughter. In addition to my full-time job, I study, part-time, economics. I like to invest in myself and find development really exciting, but economics not too much – well, not much longer until the bachelor and then it’s done. After my little girl has survived elementary school, my partner and I want to go back to the sea – Lübeck is our favorite destination at the moment and we like to revel in daydreams and are really looking forward to that time in the future.

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